Immobilien

Aus meinem näheren Umfeld waren – bis auf zwei Ausnahmen – jeweils Immobilien der Schlüssel zum sieben- oder achtstelligen Networth. Am reichsten sind die Leute mit Gewerbeliegenschaften bzw. Supermärkten geworden. Hier sind jahrelang Renditen von 15 bis 18 % eingefahren worden.

Mein Ex-Schwiegervater hat inzwischen so um die 120 Wohnungen zusammengerafft, wobei die Häuser dazu durchaus unterschiedlich profitabel sind. Alle Sachen, die er in den letzten Jahren in Frankfurt gekauft hat, gingen unter der Hand weg. Er ist gut vernetzt und wenn ein Rotarierkollege oder Golfotto auswandert, steht er auf der Matte und fragt nach, ob er ein paar Immobilien abnehmen kann.

Meine Mutter ist Anfang der 90er-Jahre ins kalte Wasser gesprungen und hat ihren ersten Immobiliendeal an Land gezogen und auf einen Schlag 24 Wohnungen gekauft. Mein Vater ist nicht mal zur Besichtigung mitgekommen. „Du bist ja bekloppt“, sagte er, „ich will doch nicht die Neue Heimat kaufen.“

Ich war immer der Zahlenotto im Hintergrund. Abgesehen davon bin ich quasi der Gott der Nebenkostenabrechnungen. Ich kann jedes Haus in unter 15 Minuten abrechnen, und dann stimmt der Quatsch auch noch. Richter und Anwälte haben hier und da schon mit der Zunge geschnalzt – so schön und logisch sind meine Abrechnungen.

Irgendwann hatte meine Mutter die Schnauze voll, hat alle Mietshäuser verkauft und den Einsatz in etwa verdoppelt. Das Geld wanderte zu einem sehr renomierten Vermögensverwalter. Der legte einen krassen Start hin: nach drei Monaten war das Depot 600.000 Euro ins Plus gelaufen. Halbes Jahr später hatte sich das schon wieder sehr relativiert und meine Mutter war von den ständigen Schwankungen schwer genervt. Mieteinnahmen sind da schon besser für’s Gemüt.

Vor fünf Jahren rief sie ein befreundeter Makler an, um ihr ein Objekt mit 1.500 m² Mietfläche, 80 % Gewerbe, 20 % Wohnungen, Durchschnittsmiete so bei 6,30 Euro pro m², 20 Parkplätze, in ganz guter Lage anzubieten. Bausubstanz okay. Kaufpreis 1,2 Mio € plus Makler. Sie kannte das Haus vom Vorbeifahren.

Mutter: „Ich zahle 1 Million inklusive Makler.“

Das Gespräch dauerte keine fünf Minuten. Der Makler legte auf, sprach mit dem Verkäufer und meldete sich fünf Minuten später wieder. Deal.

Meine Mutter. Eier aus Stahl. Miete hat sie schon ganz gut hochgefahren. Das Haus wird dieses Jahr neu angepinselt. Mieter sind glücklich. Passt.

Leiderleider ist die Zeit dieser Schnäppchen vorbei. Spaßeshalber biete ich ihr immer mal wieder 1 Mio für ihr Haus an. Sie will es aber nicht rausrücken. Würde ich auch nicht.

Was ich eigentlich sagen will: ich suche seit Jahren irgendwas, was passt und greife auf ein relativ gutes Netzwerk zurück. Meine Mutter bekommt an ihrem Wohnort alles mit, langelange bevor irgendwas im Internet oder der Zeitung steht. Das letzte Ding, das ich mir angesehen habe, war auch so ein Gewerbe-/Wohnungsmix. Kaufpreis 320.000 Euro, Mieteinnahmen 40.000 p.a.

Der Makler war ganz euphorisch. Ich habe mir alle Mietverträge schicken lassen und musste auf Seite 24 des Vertrags mit dem größten Mieter feststellen, dass dieser Mieter sich bei einem eventuellen Auszug vorbehält, 150.000 Euro Renovierungskosten, die er in den angemieteten Laden gesteckt hat, vom Eigentümer ausbezahlen zu lassen. Den Mietvertrag hatte er selber ausgetüftelt. Guter Mann. Kam dann für mich aber nicht in Frage.

Was ich nicht kaufen werde: einzelne Wohnungen. Ich will und brauche für meinen Seelenfrieden die Eigentumsmehrheit, weil ich schon zu viel Kacke mit korrupten Hausverwaltungen und kreuzdämlichen Eigentümergemeinschaften erlebt habe.

Im Idealfall will ich ein Haus mit acht Parteien in einer Gegend, in die ich selber ziehen würde. Und weil der Spaß immer auch Arbeit macht, zahle ich maximal die 12fache Nettojahresmiete.

Oder anders ausgedrückt: kann man vergessen, findet man nicht (mehr).

Ich weiß, dass viele kluge Leute einzelne Wohnungen kaufen. Gerald Hörhan, den ich sehr schätze, gehört dazu.

Habe trotzdem keinen Bock drauf.

2 Kommentare zu „Immobilien“

  1. Hi Guru,
    ich habe eine ETW geerbt, soweit so gut, ordentlich vermietet, aber! das mit der kreuzdummen Eigentümergemeinschaft ist genauso, nicht nur kreuzdumm, auch unverschämt! Aber gut, da muss man durch. Eigentlich wollte ich noch eine zweite Wohnung kaufen, lass ich aber bleiben, investiere lieber in einen REIT und kassiere um die 6% Dividende.

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  2. Hi Annabella, Glückwunsch zum Erbe. In meiner Studentenbutze (82 m² mitten in Frankfurt, komisches Viertel, genialer Skylineblick, Kaufpreis damals 165.000 DM) wollte man das Haus neu anmalen. Die Hausverwaltung samt Mehrheit der Eigentümerversammlung heuerten zu diesem Zweck einen Architekten an, lustigerweise auch ein Miteigentümer, der zum Schnäppchen- und Freundschaftspreis von 22.000 DM offiziell die Anpinselei überwachte. Ich bekomme heute noch Schnappatmung, wenn ich daran denke.

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