Seelenfrieden vs. Chancenmaximierung

Zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Quasi.

Herz Nummer 1: Frei nach RichDadPoorDad würde ich gerne meinen Cashflow optimieren. Am Monatsende soll so viel Cash wie möglich übrig bleiben. Immer schön liquide sein, die nächste Investitionsgelegenheit kommt bestimmt.

Herz Nummer 2: Ich möchte mein Depotvolumen so schnell wie möglich nach oben bringen, um meine hoffentlich üppigen Gewinne zu maximieren und schrecke nicht davor zurück, meine Aktien-Investments über Kredite zu hebeln.

Status Quo in Sachen Wertpapier-Kredite:

  • Einlagen: 86.500 Euro
  • Kredite für Wertpapierkäufe: ca. 72.000 Euro
  • Depot-Wert brutto – inklusive der Kredite: 200.000 Euro
  • Depot-Wert netto – nach Abzug der Kredite: 128.000 Euro
  • Gewinn: ca. 41.500 Euro (nach ca. 16 Monaten)

Eine Aufstellung der aktuellen Kredite sieht so aus:

aktuell

Im Rahmen meiner Investmentaktivitäten habe ich also Kreditkosten von ca. 4.000 Euro pro Jahr, die meinem Cashflow nicht gut tun, dafür aber bislang zu guten Gewinnen auf der Depotseite beigetragen haben. Zur Kredithöhe selbst: so über den Daumen könnte ich die 72.000 Euro in einem Jahr abstottern (eher 13 – 14 Monate). Bislang habe ich mir immer eingeredet, dass das im Rahmen ist.

Weil ich den durchschnittlichen Zinssatz mit 5,56 % und die damit verbundenen Kosten grundsätzlich doof finde (Wertpapiere per Dispo!?), habe ich mir mal ein Angebot machen lassen, das Haus weiter zu beleihen und mir im Rahmen einer „Kapitalbeschaffung“ beispielsweise 150.000 Euro auf 5 Jahre zu 1,02 % zu leihen. Blöderweise will die darlehensgebende Bank eine Mindesttilgung von 3 %, so dass mich der Spaß ca. 6.300 Euro an Liquidität pro Jahr kosten würde. Die eigentlichen Kreditkosten (= Zinsen) wären dafür mit 1.800 € deutlich günstiger (vs. 4.000 Euro für 72.000 Euro).

Jetzt muss man noch wissen, dass es schon ein Darlehen auf das Haus gibt. Hier werden Mitte 2020 ca. 76.000 Euro fällig. Die Zinskosten für das Darlehen liegen aktuell bei ca. 700 Euro pro Jahr (Zinssatz 0,87 %). Insgesamt kostet mich das aktuelle Hausdarlehen ca. 2.430 Euro an Liquidität pro Jahr.

Was tun? Seelenfrieden oder Gewinnmaximierung? Darf man überhaupt gehebelt in Aktien investieren?

Tendenz: Seelenfrieden und brav sein. Problem: die leeren Akkus, das hohe berufliche Arbeitspensum und die Ringe unter den Augen schreien nach Gewinnmaximierung. Und der bisherige Erfolg macht gierig und ungeduldig.

Und jetzt?

Option 1: Liquidität maximieren

  • bis die 72.000 Euro Kredit abgestottert sind, keine Wertpapiere mehr kaufen
  • danach Rücklagen bilden und das aktuelle Darlehen in 2020 (76.000 Euro) nach Ende der Zinsbindung komplett ablösen
  • in der Zwischenzeit hoffen, dass sich das Depotvolumen von 200.000 Euro ordentlich vermehrt

Option 2: Sicherheit maximieren

  • bei nächster Gelegenheit für 72.000 Euro Wertpapiere verkaufen, um die aktuellen Wertpapierkreditkosten asap abzubauen
  • danach sparen, um das Hausdarlehen 2020 ablösen zu können
  • Ab ca. Q1 2019 weiter in Wertpapiere investieren
  • Bis dahin hoffen, dass sich das Depotvolumen von ca. 128.000 Euro schön vermehrt

Option 3: Gewinn maximieren

  • neues Darlehen für 150.000 Euro mit Zinssatz 1,02 % und Tilgung 3 % aufnehmen, 72.000 Euro zu 5,56 % tilgen. Die restlichen 78.000 Euro investieren
  • Gesamtverschuldung läge damit bei ca. 230.000 Euro (bei einem Networth von ca. 420.000 Euro)
  • Die Ohren anlegen und hoffen, dass sich das Depot mit einem Brutto-Depotwert von ca. 280.000 Euro so positiv weiterentwickelt wie bisher

Option 4: irgendeine „Hybrid“-Lösung

  • beispielsweise nur 100.000 Euro statt 150.000 Euro aufnehmen

 

Ich bin ungewöhnlich unentschlossen in dieser Sache und scheitere seit Wochen an einer vernünftigen Chancen-Risiken-Betrachtung, einer klaren Linie und einer logischen Entscheidung.

4 Kommentare zu „Seelenfrieden vs. Chancenmaximierung“

  1. Ich bin auch nicht abgeneigt Leverage einzusetzen. Allerdings wäre mir ein Hebel über 1,25 bezogen auf dein Portfolio bei den aktuellen Marktbewertungen und der Länge des aktuellen Börsenzyklus zu risikoreich. Ich würde mal gucken ob Du nicht doch mal was mit Immobilien machst. Hier kann man deutlich unproblematischer mit enormen Hebeln arbeiten da der Markt nicht so schwankt.

    Ich verstehe kann aber auch den Druck nachvollziehen den Du im Job hast. Denke Beratung und IB nehmen dich nicht so viel. Ich würde einen nachhaltigeren Mittelweg wählen. Halt die Ohren steif!

    Der Investmentbanker

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  2. Hallo, Investmentbanker, und danke für dein Feedback, dem ich mich inhaltlich und von außen betrachtet sofort anschließe. Ich denke weiter drüber nach. Vielen Dank und viele Grüße!

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  3. Welcome back! Habe gestern erst gesehen, daß Du wieder da bist. Sehr erfreulich!!
    Deine Zinsen für Dispo & Rahmenkredit sind erheblich zu hoch. Über einen entsprechenden Onlinevermittler (ich selber arbeite gerne mit der Interhyp) solltest Du einen Immobilienkredit über 100K zu 0,85% bekommen (habe aus gegebenem Anlass vorgestern selber einen angefragt und exakt diese Konditionen schriftlich bestätigt bekommen). Damit könntest Du Dispo & Rahmenkredit sowie auch noch den Lombardkredit auf einen Schlag loswerden. Den Rest als Liquiditätsreserve für wirkliche Supergelegenheiten (und wirklich nur dafür) halten, ansonsten für die hier ebenfalls vorhandene 3% Mindesttilgung verwenden. Was dann noch übrig sein sollte kannst Du für die Ablösung des noch vorhandenen Immo-Darlehens verwenden. So würde ich vorgehen. Ist vielleicht eine Idee für Deine „Hybridlösung“.

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  4. Hallo, Doc! Auch schön, dass du wieder da bist. Danke für deine Tipps. Mein Finanzierungsberater hat ganze Arbeit geleistet. Gibt nicht so die Masse an Banken, die Darlehen zur Kapitalbeschaffung so richtig gut finden. Vor allem wenn es schon ein erstrangiges Darlehen gibt. Wie auch immer: wenn alles klappt, fließen am 01.03. 73.500 Euro zu 0,8 % bei 1 % Tilgung, die ich dazu verwende, die laufenden und teuren Geschichten supergünstig abzulösen. Mitte 2020 fließen noch mal 76.500 Euro zu 1,4 % bei 1 % Tilgung um das bis dahin laufende erstrangige Darlehen abzulösen. Habe irgendwo geschrieben, wie sich das auf meine Liquidität auswirkt. Und in Summe auf fünf Jahre spart mir das immerhin so 15.000 Euro.

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