Portfolio Pilot

Heimlich bin ich ja auch Entwicklungshelfer (aka Finanz-, Sex-, Koch- und Gemütlichkeitsguru). Meine Freundin, eine ganz schön schlaue Anwältin, hatte nix mit Wertpapieren zu tun. Sie hatte ihr Geld zu strammen 0 % irgendwo rumliegen. Irgendwann im Dezember letzten Jahres kam der Wunsch auf, in Richtung Value Investing zu gehen.

Garnix: „Viel Erfolg!“

Freundin: „Du sagst mir, was ich machen muss.“

Garnix: „Iiiiiiiich? Nee. Du hast vier Kinder. Ich gebe dir exakt NULL Anlageempfehlungen. Buchempfehlungen gerne. Anlageempfehlungen niemals.“

Freundin: „Wohl!“

Garnix: „Never.“

So ging das dann ca. sechs Wochen hin und her.

Freundin: „Mir ist klar, dass ich über Nacht einen Großteil verlieren kann. Und ich selber bin ja auch schon groß.“

Garnix: „Das finde ich gut. Dann fang mal an zu lesen und baue dir schön deine eigenen Investment Cases. Viel Erfolg!“

Tatsächlich hatte sie ein paar Aktiennamen von mir aufgeschnappt, las Levermann und fragte mich plötzlich, ob ich die letzte DGAP Ad Hoc Nachricht von Publity gelesen hätte.

Außerdem gab es inzwischen ein Depot.

Das war dann der Moment, in dem ich hier aus meiner Sicht helfen konnte und wollte. Sie bekam meinen Portfolio Piloten. Ein wenig spektakuläres Excel-Sheet, mit dem man höchstselbst folgende Angaben verwaltet:

  • Depotwert / -cash
  • Gattungsnamen
  • Aktueller Kurs
  • Kursziel
  • Anzahl Monate zur Erreichung des Kursziels
  • Potential p.a. (berechnet)
  • Wissen
  • Bauchgefühl
  • Gewichtung
  • Stück Soll (berechnet)
  • Stück Ist
  • Stück Delta (berechnet)
  • Investitionssumme (berechnet)
  • Potentieller Gewinn p.a. (berechnet)

Anbei ein Muster des Portfolio Piloten für das Einsteiger-Depot eines Freundes, der noch nix gekauft hat, weil sein Wissensstand noch nicht passt:

PortfolioPilot

Im Sheet verwaltet jeder meiner „Trainees“ seine indivduellen Regeln – sowas zum Beispiel:

regeln

Die Gedanken dahinter:

  1. Um ein Kursziel festzulegen, muss/sollte man möglichst auf dem aktuellen Stand sein. Im Idealfall hat man VIEL gelesen und ist up-to-date. Die Ad Hoc Meldungen sind abonniert, die letzte Bilanz gelesen und so weiter.
  2. Um den Kurszielzeitraum festzulegen gilt alles unter 1 Gesagte.
  3. Man muss sich selber – möglichst ehrlich – eingestehen, wie der Wissensstand für die jeweilige Aktie ist – alles unter 80 % sollte einen davon abhalten zu kaufen – und idealerweise natürlich motivieren, alles Notwendige in Erfahrung zu bringen und das Wissen hochzuschrauben.
  4. Bauchgefühl ist so ein Mischmasch – für meine Freundin sind das im wesentlichen ethische Aspekte. Für einen anderen mag es das Basisgefühl zu dem Unternehmen sein. Mag man den CEO. Glaubt man an den Investment Case oder ähnliches.
  5. Zur Gewichtung – die vorgeschlagene Sortierreihenfolge des Sheets ist das Potential p.a. in absteigener Reihenfolge. Mit der Gewichtung lege ich – in Abhängigkeit von Wissensstand und Bauchgefühl fest, wie stark ich von welchem Gewinnpotential profitieren möchte

Hinweis: der Gewinn, den ich in der letzten Spalte ausweise, ist natürlich nur indikativ. Vor allem ist er – zur besseren Vergleichbarkeit – annualisiert.

Erklärung: wenn Genworth bis Ende November an die Chinesen verkauft wird, werden 5,45 USD bezahlt. Nach Währungsabschlägen bzw. auf Euro-Basis macht das dann rund 4,50 Euro in drei Monaten. Die ausgewiese Rendite ist wiegesagt annualisiert und mag den ein oder anderen irritieren. Sollte es zu der Übernahme kommen, verschwindet Genworth im November natürlich aus dem Sheet, und wir suchen uns einen anderen Wert bzw. rebalancen die anderen Gattungen. Der Portfolio Pilot hat also nicht den Anspruch, Historie, Gebühren und Gedöns nachzuhalten, sondern soll dazu dienen:

  • seine Investment Ideen zu verwalten und ggf.
  • eine Gewichtung vorzunehmen

Anpassungen würde ich einmal im Monat vornehmen und mir dabei die Fragen stellen:

  • ist mein Wissen noch aktuell
  • hat sich mein Bauchgefühl geändert
  • muss das Kursziel und eventuell der Kurszielzeithorizont angepasst werden
  • sollte ich irgendwas reallokieren

Schön finde ich, dass man so sehr strukturiert über den Zaun schauen kann: was hat meine Freundin, was haben meine (engen) Freunde, für Investment Cases auf dem Radar, welche Kursziele und welche Wissensstände gibt es so.

In Ergänzung dazu kann man sich ein „gesharetes“ Microsoft One Note mit Notizen und Linksammlungen zu jedem Investment Case vorstellen.

Und das Beste: meine „Trainees“ bekommen lediglich die Struktur – den eigentlichen Inhalt müssen sie sich selbst erarbeiten, und ich werde nicht erschossen, wenn alles den Bach runtergeht.

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