Neid

Die letzten Urlaubstage werden von einer tragischen Erkenntnis begleitet: ich bin neidisch. Das ist neu. Ich wollte nie mit jemandem tauschen. Aber wenn ich so etwas hier lese:

http://www.madfientist.com/first-year-of-freedom/

dann fange ich an, unzufrieden in den Zwölftagebart zu grummeln. Unfassbar wie früh die Kollegen die Kurve bekommen haben. Und noch viel unfassbarer: wie lange ich so doof sein konnte.

Alle Entschuldigungen sind bestenfalls so mittelgut: habe ja lange nicht so gut verdient und dann noch der Unterhalt. Das stimmt auch alles: irgendwann kam die Mutter meiner Tochter zu mir und sagte, dass sie nicht mehr glücklich ist und dass sie für sich und unsere Tochter eine Wohnung sucht. War so nicht geplant. Die anschließende Paartherapie war Zeit- und Geldverschwendung. Der Zug war abgefahren. Die Trennung war letztlich richtig und gut. Und teuer.

Zu der Zeit verdiente ich etwa 2.600 Euro netto im Monat, wovon ich freilwillig 2.000 Euro Unterhalt zahlte. Der Deal war: ich stelle sicher, dass sie jeden Monat 2.000 Euro hat. Sie würde versuchen, halbtags und selbstständig etwas dazu zu verdienen. Die Einkünfte aus der Selbstständigkeit würden wir dann sukzessive vom Unterhalt abziehen, bis wir bei einem großzügigen Kindesunterhalt stehen bleiben.

Das ganze zog sich etwa zwei Jahre hin, bis wir den Unterhalt halbwegs runterschrauben konnten.

Ich wollte ums Verrecken nicht knauserig sein, ging ja um meine Tochter. Also habe ich möglichst flach geatmet und wenig nachgedacht.

Im Nachhinein kann ich das sogar weiterempfehlen: immer schön aufs Kindeswohl achten und zahlen, bis es quietscht. Jedenfalls haben wir heute – ist jetzt alles so zehn Jahre her – ein ganz ordentliches Verhältnis – wir helfen und freuen uns, wenn es dem anderen gut geht. Und wenn irgendwann mal zu viele Rechnungen eintrudeln, gibt es hier und da manchmal auch einen Nachschlag. Wenn man sich dabei vorstellt, dass man es irgendwie fürs eigene Kind macht, ist das gar nicht so schwer.

Wann und wo habe ich sonst Geld rausgehauen?

  • früher viel Geld für Hotelsuiten ausgegeben, weil ich Weltmeister im Schnarchen bin und nachts in normalen Zimmern ohne Ausweichmöglichkeit von Freundinnen im Schlaf misshandelt wurde. War mal mit so einer Lehrerin zusammen, die mir jede Nacht volles Rohr gegen das Schienbein getreten hat, weil sie sich so über mein Schnarchen aufregte
  • Apropos: 1.200 Euro auf eigene Rechnung für ein „Schnarchimado“ ausgegeben – die Luxusklasse, die meine Krankenkasse nicht bezahlen will
  • viel Geld mit Aktien und Optionen verzockt – kann noch so 60.000 Euro Verluste gegen neue Gewinne gegenrechnen
  • Relativ viele und teure Geschenke für Kind, Freundinnen, Eltern – Schmuck, mehrere MacBooks und 65 Zoll Fernseher und so was – vielleicht so für 5.000 Euro im Jahr
  • Relativ teure Urlaube – so für 5.000 bis 10.000 Euro im Jahr (siehe auch Hotelsuiten)
  • Autos waren mir nicht so wichtig: bin die immer gefahren, bis sie auseinandergefallen sind
  • Dafür gab es mal eine relativ ausgedehnte Partyphase.

Überschlagen wir das mal für den Zeitraum 25 bis 45 Jahre:

  • Unnötig teure Urlaube (Soll: 3.000 € p.a. / War: ca. 7.000 € p.a.): 7.000 – 3.000 = 4.000 x 20 Jahre = 80.000 Euro
  • Aktien und Optionshandel: 60.000 Euro
  • Übermäßig viele Geschenke (Soll: 1.500 € p.a. / War: ca. 5.000 € p.a.): 5.000 – 1.500 = 3.500 x 20 Jahre = 70.000 Euro
  • Partyphase: ca. 10 Jahre x 500 Euro pro Monat = ca. 60.000 Euro

In Summe habe ich so ca. 270.000 Euro verballert. Dazu darf man dann sicher noch mal ca. 150.000 Euro Unterhalt rechnen. Macht dann zusammen rund 420.000 Euro Networth-Einbußen.

Soll und darf man sowas ausrechnen? Wahrscheinlich nicht. In der Retrospektive: ich hatte kein Konzept und kein Ziel. Die meiste Zeit erschöpfte sich meine Strategie darin, einfach durchzukommen.

Im Hintergrund laufen gerade fünf Rechner, berechnen die neuen QI-Daten und füttern meine Datenbank, die ich inzwischen meiner Tochter vorgeführt habe. Tochter hat anerkennend genickt. Wenn man sie kennt, ist das quasi ein Ritterschlag. Schauen wir mal, dass ihr Blog dann möglichst Freiheit 29 heißt.

Und noch eine gute Nachricht: meine aktuelle Freundin hat mich noch nie getreten und schwört, dass sie mein Schnarchen liebt.

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