Private Zusatzkrankenversicherung

Ich bin gesetzlich versichert. Die Überlegung, in eine private Krankenversicherung zu wechseln, habe ich verworfen, nach dem ich von den Beitragssteigerungen einiger Kollegen erzählt bekommen habe. Teilweise waren das 20 % pro Jahr. Die Tarife „vergreisen“ und die Wechselmöglichkeiten in andere Tarife auszuloten, klingt nach einer Menge Arbeit.

Von den Möglichkeiten, in den Basistarif zu wechseln, hört man auch nichts gutes. Ein Freund, der privat versichert ist und Geld sparen will, hat sich eine Selbstbeteiligung von jährlich 2.000 Euro eintragen lassen. Das senkt den Tarif erheblich, führt aber auch dazu, dass er nicht mehr zum Arzt geht. Wenn er etwas hat, klaut er auf dem Friedhof ein paar Blumen und klingelt damit bei einer Nachbarin, die Ärztin ist. Klingt lustig aber auch ganz schön nervig.

Ein anderes Motiv war die Familienversicherung: was tun, wenn man Achtlinge bekommt und privat krankenversichert ist? Kann ja sein. Jedenfalls kenne ich von Fällen, bei denen schon Zwillinge die Ohren der Eltern zum Schlackern gebracht haben.

Fassen wir zwischendurch also zusammen. Tendenz: eher gesetzlich.

Aber wie ist das so, wenn es mal ernst wird und man für längere Zeit ins Krankenhaus muss? Ich bin ein riesengroßer Fan von Einzelzimmern. Das beruht auf diversen Erlebnissen. Meine Ex-Frau beispielsweise bekam im hohen Alter mal die Mandeln entfernt. Sie war eine Woche mit drei Kindern und durchschnittlich gefühlt 120 mehrheitlich türkischen Besuchern in einem Zimmer, in dem Kika nach Mehrheitsvotum auf maximaler Lautstärke lief. Hui, das war lustig.

Manche Leute sagen: „Ach, so ein Zweibettzimmer ist doch super. Da ist man nicht so alleine und kann sich unterhalten.“

Garnix: „Am Arsch die Räuber! Ich will so schon keinen sehen. Aber wenn ich krank bin, will ich hundertmal mehr keinen sehen.“

Dann heißt es: „Aber wann bist du schon mal im Krankenhaus?“

Neunzig Prozent der Gesundheitskosten entstehen meines Wissens in den letzten fünf Lebensjahren. Das Thema wird normalerweise also erst hinten raus interessant.

Mein Vater hatte in den letzten fünf Jahren mit Lungenkrebs, Schlaganfall und Nierenproblemen zu tun. Meine Mutter war gerade mit Verdacht auf Hirntumor eine Woche im Krankenhaus. Die Wahrscheinlichkeit, im Alter längere Zeit stationär zu verbringen, darf man sicher als erheblich deklarieren.

Und konkret?

Ich zahle für meine Tochter und mich ca. 700 Euro pro Jahr für eine private Zusatzkrankenversicherung. Einbettzimmer, Chefarzt, 50 % Zahnersatz, alle zwei Jahre eine Brille, Heilpraktiker und so was.

Das ist eine Menge Geld. Meine Freundin sagt dazu: „Kannste dir sparen. Einfach gut ernähren, Sport und so wenig Stress wie möglich.“ Garnix: „Können vor Lachen.“

In meiner Sparwut hat mich das Thema wochenlang verfolgt. Eigentlich genau so lange, bis ich mal wieder jemanden im Krankenhaus besucht habe.

Mein aktuelles Bauchgefühl: 51 : 49 pro private Zusatzkrankenversicherung.

Es ist schnöselig und dekadent – aber so ein Einzelzimmer hat schon was.

Wenn es hart auf hart käme, wenn ich meine Arbeit verlieren würde, wäre es klar, dass man den Kram kündigt. Aber bis dahin habe ich mich dafür entschieden und versuche, die Kosten jetzt wieder zu verdrängen.

Und ihr so?

 

 

 

 

 

6 Kommentare zu „Private Zusatzkrankenversicherung“

  1. Ich habe keine Einzelzimmer-Versicherung. a) kann es passieren, dass kein Einzelzimmer frei ist. Dann bekommst du zwar Geld, musst aber trotzdem in ein Mehrbettzimmer.
    B) kann man auch privat ein Einzelzimmer zahlen. Dann lieber im Ernstfall mal ein paar Hunderter zahlen anstatt jedes Jahr ein paar Hunderter.

    Kann deine Gedanken aber nachvollziehen. Bei mir kippt es aber halt eher ins Contra.

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  2. Mahlzeit. Ich wundere mich warum Du Dich nicht schon längst komplett privat versichert hast.
    Die richtige Strategie wäre gewesen nicht auf die Schauermärchen der Blumenausleiher zu hören sondern in möglichst jungen Jahren in die PKV zu wechseln. Die gegenüber der teureren GKV gesparten Monatsbeiträge pflastert man dann in ein einem separaten Depot in ein paar schöne Dividendenaktien. Je nachdem wie lange man das so macht hat man irgendwann genügend Dividendenerträge um nicht nur den im Alter höheren Mehrpreis der PKV zu zahlen sondern kann optimalerweise sogar den kompletten PKV-Beitrag passiv bezahlen.
    Für Dich ist da leider der Zug aufgrund nach PKV-Maßstäben nahezu biblischen Lebensalters schon abgefahren.
    Ich persönlich würde auf die Zusatzleistungen nicht verzichten wollen. Mit Fremden in einem Zimmer zwangseingepfercht zu sein wenn ich auch noch krank bin grenzt für mich schon an Körperverletzung.
    Mach doch die Light-Variante meines Vorschlages von oben und baller Dein dieses Jahr zwangsweise nicht ausgegebenes Urlaubsgeld in einen Dividendentitel Deiner Wahl. Damit hast Du doch schon etwa ein Viertel des jährlichen Zusatz-PKV Beitrages wieder drin und es tut nicht ganz so weh.

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  3. @SODL: bei mir ist die Entscheidung auch denkbar knapp, weil das schon ins Geld geht. Wenn ich mich nicht entscheiden kann, schalte ich mein Freundeskreis oder meine Familie ein und mache daraus heimlich einen Mehrheitsentscheid. Bei dieser Entscheidung habe ich tatsächlich mal auf meine Mutter gehört, die total sparsam ist, aber ihr ganzes Leben lang quasi schon eine PZKV und eine Rechtschutzversicherung hat. Die Rechtschutz hat sie mir geschenkt. Zur PZVK: sie war mal am Stück ein Jahr im Krankenhaus – da kann man das dann auch verstehen.

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  4. @Doc: Was würdest du einem jüngeren angehenden Familienvater raten, der so leidlich gut verdient? So einer war ich nämlich. Frau hat überwiegend auch nix oder wenig verdient. Da ist die Familienversicherung in den gesetzlichen Kassen schon richtig gut.
    Was die ambulanten Geschichten angeht, ist mir übrigens folgendes aufgefallen: meine privat versicherten Freunde kommen in irgendeine Praxis und werden regelmäßig komplett auf links gezogen. Meint: jeder noch so bekloppte Test wird gemacht. Habe ich ehrlich gesagt gar keinen Bock drauf, den Ärzten ihre „Untersuchungsmaschinenparks“ zu finanzieren. Ich will ambulant tatsächlich gar nicht so geldgeil hofiert werden. Das will ich wirklich nur, wenn ich was ernsteres habe und im Krankenhaus liege. Von daher passt die PZVK ganz gut zu mir.

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  5. Sorry, wollte nicht belehrend rüberkommen. Die Strategie geht natürlich nur dann auf wenn man bereits um die 30 oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze verdient. Dann spart man locker 300 – 400 Euro Krankenversicherung im Monat. Die meisten machen leider hier bereits den entscheidenden Fehler. Es ist sonnenklar dass irgendwann die PKV-Beiträge teurer werden als die Gesetzliche. Ob das mit 50, 60 oder 70 Jahren Lebensalter passiert hängt vom Tarif und der PKV ab. Sicher ist nur dass es irgendwann soweit sein wird. Man muss also die Ersparnis genau ausrechnen und eben diesen Betrag nicht für ein dickeres Auto ausgeben sondern auf einem vollkommen separaten Depot sparen. Und niemals, überhaupt nicht und unter keinen Umständen darf man dieses PKV-Depot für irgendeinen anderen Zweck anzapfen. Einfach so tun als ob man insgesamt den gleichen Betrag zahlen muss wie den ansonsten fälligen Höchstbetrag. Ich habe das 16 Jahre lang so gemacht und mit den Dividendenerträgen aus eben diesem Extra-Depot könnte ich mittlerweile etwa die Hälfte meines momentanen PKV-Beitrages zahlen. Und ich bin immer noch (mit 47) knapp 200 günstiger in der PKW unterwegs als Gesetzlich, kann also noch immer mein PKV-Depot weiter besparen. Wenn ich meine bisherigen Prämienerhöhungen der PKV näherungsweise hochrechne und gegen die Sparrate & Dividendensteigerungen in meinem Depot rechne komme ich mit hoher Wahrscheinlichkeit mit irgendwo zwischen 60-65 an einen Punkt wo die Dividenden meine PKV komplett bezahlen könnten. Mein Problem: Ich möchte eigentlich bereits in 8 Jahren aufhören, muss mir also hierzu noch Gedanken machen.
    Das man als Privatpatient per se komplett überversorgt wird kann ich so nicht bestätigen, liegt aber eventuell auch daran dass ich zufälligerweise einige meiner Ärzte auch privat kenne oder mir über diese Kontakte entsprechende Fachärzte empfehlen lasse und dadurch gleich ein anderes Vertrauensverhältnis habe.
    Meine Empfehlung für Dein Problem hatte ich quasi schon gegeben: Wenn Dir die Zusatzversicherung so extrem wichtig ist – mach sie! Und am besten besparst Du noch einen kleinen Zusatzbetrag auf einem Extra-Depot um zukünftige Verteuerungsraten aufzufangen, damit Du nicht irgendwann die Zusatzversicherung wegen zu hoher Beiträge kündigen musst wenn Du sie am notwendigsten brauchst.

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