Alpha für Faule

Wenn wir mal unterstellen, dass man mit einem passiven Index-Investment auf den Dax im Durchschnitt eine Rendite von 8,4 % p.a. einfährt, dann bedeutet Alpha vor diesem Hintergrund eine Rendite von mehr als 8,4 %.

Und wie bitte soll das gehen, wenn

  • man faul ist,
  • keinen Bock auf Einzeltitel und täglich fünf Stunden Bilanzlektüre a la Buffett hat,
  • so gut wie kein Asset-Manager ein Alpha erreicht,
  • man ja keine Glaskugel hat und Markettiming generell unmöglich ist,
  • man den Kommer gelesen hat und den für oberschlau hält und
  • alle Theorien sagen, dass der Markt einen positiven Drift hat und man einfach so lange wie möglich investiert sein soll?

Ist super easy und ein alter Hut. Wir müssen uns nur einem Physiker anvertrauen: Thomas Gebert und seinem Börsenindikator. Konkret wertet dieser Indikator die folgenden vier Fragen aus.

1. Ist die Inflationsrate in der Eurozone niedriger als vor einem Jahr?
2. War der letzte Zinsschritt der EZB eine Senkung?
3. Steht der EUR/USD tiefer als vor einem Jahr?
4. Befinden wir uns in den Monaten November bis April?

Das ganze wird in ein einfaches Punktesystem gepackt und liefert jeweils ein Kauf- oder Verkaufssignal für den Dax.

In den letzten 19 Jahren hätte man 21 Handelssignale bekommen und entsprechend kaufen oder verkaufen müssen.

Der Aufwand in den letzten 19 Jahren beläuft sich somit auf:

  1. Nachschauen, ob ein Signal generiert wurde: 19 Jahre x 12 Monate = 228 Monate x 5 Sekunden = 19 Minuten
  2. 21 Käufe/Verkäufe in 19 Jahren = 21 DAX ETF Käufe/Verkäufe x 2 Minuten =  42 Minuten

Zeitinvest gesamt = 61 Minuten in 19 Jahren oder 3,2 Minuten p.a.

Eine Frage stellt sich noch: wenn ich so viel Zeit verballere, lohnt sich das denn überhaupt?

Die Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Ich kann hier nur ein paar Backtest-Zahlen liefern. Betrachtungszeitraum 02.01.1998 bis 02.01.2017.

Benchmark: DAX:

Dax

Hoppsala. War wohl doch nix mit 8,4 %. Zumindest nicht im Betrachtungszeitraum.

Gebert Börsenindikator:

GBI

Dezente Outperformance für 61 Minuten Arbeit.

Und jetzt? Physiker hin oder her, das kann ja wohl nicht sein, weil

  • Trump komisch ist,
  • die Welt eh ganz anders ist,
  • Japan auch irgendwie ganz anders ist,
  • Backtests eh alle manipuliert sind und
  • das ja gar nicht sein kann.

Für mich persönlich ist der GBI sowas wie die Wettervoraussage für den Segler. Wenn ein Segler aufs Meer rausfährt, will er typischerweise nicht im Sturm kentern. Bisschen Wind ist gut, Sonne auch. Ansonsten: schön im Hafen bleiben. Übertragen auf die Börse heißt das, sobald ich investiere, bin ich potentiell Stürmen ausgesetzt und kann binnen kürzester Zeit 50 Prozent verlieren und selbst bei einem Index-Investment im Worst Case ca. 13 Jahre unter Wasser sein.

In Aktien investiert zu sein, bedeutet Risiko. Dass ich auf Dauer gewinne, ist schön und gut. Aber es gibt Indizien, ob das Börsenwetter gerade freundlich ist oder nicht – ob ich im Hafen bleiben soll oder nicht.

Für Faule mit Alphagelüsten scheint mir der Gebert Börsenindikator da sehr interessant zu sein.

Wobei wie immer gelten muss: bitte alles selber nachlesen, überprüfen und bewerten. Die Quelle, die ihr braucht, findet sich hier:

http://www.daxjaeger-blog.de

Sehr unaufgeregtes, großartiges und wichtiges Blog!

Ansonsten: es ist Samstag, ich hole gleich Happy-Hour Brötchen beim Bäcker, frühstücke mit meiner Tochter im Bett und freue mich des Lebens.

Schönes Wochenende!

Garnix