Sex

Warren Edward Buffett liest ja angeblich jeden Tag 500 Seiten Bilanzen. Da komme ich nicht mit – aber so drei Stunden oder dreihundert Seiten kommen schon zusammen, wenn man Hörbücher und so was mitzählt.

Aktuell höre ich „Das perfekte Leben des William Sidis“.

„Die Presse feierte ihn als ‚intelligentesten Menschen aller Zeiten‘, er galt als Beweis für das unerschöpfliche Potential des menschlichen Gehirns: William Sidis, 1898 bis 1944, war ein Wunderkind und ein Star. Im Alter von 18 Monaten liest er die New York Times, mit sechs Jahren beherrscht er 10 Sprachen, mit zehn präsentiert er seine Theorie der vierten Dimension.“

Wahre Geschichte. Sein Vortrag über die vierte Dimension, den er vor einem ganzen Rudel Professoren gehalten hat, sprengt übrigens meine intellektuellen Kapazitäten. Meine Dimensionen sind eher so menschlicher Natur.

Vor zwei, drei Jahren kam ein Kollege auf mich zu. Er verdient mehr als ich, ist ein totaler Fitness-Freak, sehr akkurat, hat immer die tollsten Anzüge an, eine Frau, ein Kind. Sein Hauptproblem: er liest nicht. Leute, die nicht lesen, stagnieren.

Kollege: „Kannst du mir irgendeine Escort-Agentur empfehlen?“

Garnix: „Watt?“

Kollege: „Ich glaube, ich hatte jetzt ein halbes Jahr keinen Sex mehr. Frau will nicht mehr. Wegen des Kindes will ich keine Scheidung, aber ich brauche Sex. Ich mache den ganzen Sport, sehe im Studio und überall die ganzen Frauen und bin rollig wie 80 nackte Russen.“

Garnix: „Aha. Hast du eine Root Cause Analyse gemacht?“

Kollege: „Frau ist irgendwie gestresst. Streitet die ganze Zeit mit unserem Kind. Keine Ahnung.“

Garnix: „Quatschi. Wollen wir wetten, dass deine Frau in spätestens vier Wochen um Sex mit dir betteln wird?“

Kollege: „Du bist so ein Schwätzer!“

Garnix: „Wir wetten um ein 50 Euro-Steak.“

Kollege: „Ok.“

Das ganze fand in meinem Büro statt – mit Flipchart und so.

Garnix: „Die meisten Root-Cause-Analysen scheitern, weil die meisten Leute ein- oder vielleicht zweidimensional denken. Krasser Sex ist vierdimensional. Wenn man es mit vier Ebenen oder Dimensionen zu tun hat, dann sind Probleme vorprogrammiert, weil Normalos auf zwei oder drei Ebenen immer scheiße sind. Vor allem weil sie gar nix davon wissen.“

Kollege: „Ich verstehe kein Wort.“

Garnix: „Da kann ich dir helfen. Erstens: Frauen empfinden Sexualität noch viel stärker als Männer. Das kannst du – naja, du vielleicht jetzt noch nicht… also das kann MAN daran erkennen, dass sie zu multiplen und minutenlangen Orgasmen fähig sind. Manchen Frauen haben bei Orgasmen komplette Aussetzer und werden quasi ohnmächtig. Noch mal: das sind krass sexuelle Wesen – mit einem sehr reichen und tiefen sexuellen Empfinden.“

Kollege: „Aha. Da kennst du aber meine Frau nicht.“

Garnix: „Ist alles deine Schuld. Du hast deine Frau sexuell eingeschläfert.“

Kollege: „Bin nicht so schlecht im Bett.“

Garnix: „Du bist bestenfalls ein ‚Sportficker‘. Das reicht aber auf die Dauer nicht. Ist zu eindimensional. Da rennen dir früher oder später alle weg. Für eine Frau ist das todlangweilig.“

Ich hole den Flipchart. Der Kollege ist selber Berater und fassungslos, dass ich ihn mit einem Flipchart sexuell demontieren will.

Ich schreibe die erste Dimension auf: Dominanz.

Garnix: „Alte Geschichte. Frauen brauchen das Gefühl, dass du der stärkste Otto im Dorf bist. Ist nur eine Facette. Aber ist so. Widersprüche zu emanzipatorischen Konzepten sind scheißegal. Also für wie dominant hält dich deine Frau?“

Kollege: „Naja, nicht so.“

Garnix: „Eben. Frauen testen dich und legen ihrerseits Dominanzgehabe und Gezicke an den Tag. Wenn du nicht aufpasst, bist du relativ schnell so ein anbiederischer Vollhansi. Sei souverän. Steig auf ihre hysterischen Anfälle und Weibersachen nicht ein. Danach: auf den Arsch hauen, bisschen würgen, rumschleudern, an den Haaren ziehen, tut ihnen im richtigen Moment sehr gut. Nicht von null auf 100… aber so nach und nach. Sei souverän.“

Kollege: „Verstehe. Aber ich bin davon 100 Kilometer entfernt. Passt nicht so.“

Garnix: „Wenn du da in Schulnoten gerade eine 6 hast. dann baue es langsam auf. Vielleicht erstmal von der 6 auf eine 4, dann eine 3 – langsam aufbauen.“

Kollege: „Weiter.“

Ich schreibe „Emotionalität“.

Garnix: „Dominanz alleine ist natürlich Schrott. Die zweite Dimension ‚Emotionalität‘ ist genau so wichtig. Die Frau muss spüren, dass du sie liebst, dass das ganze Sinn macht, dass es sich um was Großes und Absolutes handelt – im Extrem dass es darum geht, ein Baby zu machen. Leider können wir nicht immer Babies machen. Aber schau ihr im richtigen Moment in die Augen und sag ihr, dass du sie liebst – wenn du es meinst und fühlst. Wie gut bist du heute darin?“

Kollege: „Naja, Eieiei. Bin voll der Versager…“

Freundin kommt gerade vorgefahren… Fortsetzung folgt.