Kleingeld und Pommes mit Mayo

Fangen wir mit den Pommes an. Zu Pommes gehört nach meinem Dafürhalten eindeutig Mayo. Problem: der Standard-Pommes-Dealer klatscht die Mayo mit dem Ergebnis oben auf die Pommes, dass alles vermatscht ist.

 

Manche Pommes triefen vor Mayo, man versaut sich die Finger und ist latent genervt. Blöd. Blöd auch, dass ich gefühlte 30 Jahre für die Lösung des Problems gebraucht habe.

Wenn ich heute bei meinem (veganen) Wurst- und Pommes-Dealer aufschlage, weiß der schon Bescheid und ruft seiner Pommes-Station zu: „Mayo extra!“. Meint: die Mayo wird in einer separaten Schale geliefert, ich dosiere die Mayo-Menge auf Einzelfallbasis und schaue belustigt bis mitleidig zu den Kollegen mit den versauten Fingern. Problem gelöst. Noch nicht für die ganze Welt – aber immerhin schon mal für mich.

Nächstes Problem: Kleingeld. Kleingeld nervt. Mitte des letzten Jahrhunderts haben sich ein paar Russen TRIZ ausgedacht, eine Theorie und Methode des erfinderischen Problemlösens. Man bedient sich des Konstrukts der „idealen Maschine“. Eine ideale Maschine liefert das ideale Ergebnis, ohne zu nerven, Platz zu brauchen oder Geld zu kosten. Man überlegt sich also im ersten Schritt das ideale Szenario, die perfekte Maschine oder Lösung: man bekommt was man möchte, ohne im geringsten von irgendwelchen Nebenfaktoren belästigt oder genervt zu werden. Da es aber in diesem Sinne keine idealen Machinen gibt, überlegt man sich in einem zweiten Schritt, wie das Problem mit einem minimalen Nervlevel zu lösen ist. Man geht dabei schrittweise Kompromisse ein, entfernt sich dabei von der idealen Maschine aber nur so weit, wie es im Rahmen der Möglichkeiten unbedingt erforderlich ist.

Zurück zum Kleingeld. Im Prinzip will ich nix mit Kleingeld zu tun habe. Im Vergleich zu Geldscheinen, ist es eklig, voluminös und doof. Wenn wir an dieser Stelle mal von bargeldlosen Szeanrien absehen, sind Scheine immer irgendwie besser – sie haben mehr Wert, klimpern nicht blöd rum und tragen in einem Portmonnaie nicht auf.

Ich habe dekadente Freunde, die alles Münzgeld verschenken. Die kaufen etwas im Supermarkt für acht Euro, bezahlen mit einem Zehn-Euro-Schein und sagen: „stimmt so.“ Deren Portmonnaies haben kein Münzfach, sie wollen keine ausgebeulten Klimpermünzen-Hosen, wissen nicht wohin mit dem Wechselgeld und geben unfreiwillig den ganzen Tag Trinkgeld.

Wenn ich drüber nachdenke, kann ich das verstehen, wenn auch nicht ohne ein Zwicken in meiner Frugalistenbrust.

So. Was machen wir jetzt? Portmonnaie ohne Münzfach ist schon krass. Viel kompakter, eindeutig weniger nervig. Mein heimlicher Traum, den ich mir mit dem Erreichen meiner finanziellen Freiheit erfüllen will: ich liege zu Hause faul im Bett rum, stehe aus einem Impuls heraus und von mir selber überrascht auf, ziehe mir ein paar bequeme Jeans an, schnappe mir mein ultraflaches münzfreies Portmonnaie, setze mich ins Auto und fahre Richtung Italien. Ich sage niemandem Bescheid. Bin einfach nur weg und unterwegs, ohne selber zu wissen, ob und wann ich zurückkomme. Erster Halt: bisschen hinter Genua in Sestri Levante. Da esse ich dann in der Altstadt eine Minestrone Genovese. Ist einfach nur eine Gemüsesuppe – aber was für eine. Zur Illustration: Sestri Levante.

sestri

Ich komme ein bisschen vom Thema ab. Jedenfalls geht es darum, mit wenig Ballast unterwegs zu sein. Spontan und ohne Koffer, Zahnbürste und Gedöns.

Zurück zum Klimpermünzgeld, dem alten Nervkram. Meine Lösung, an der ich nur knapp 42 Jahre geschraubt habe: Geld brauche ich in den allermeisten Fällen nur, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin. In meiner Mittelkonsole steht daher seit zwei Jahren ein Glas, das perfekt in so eine Getränkemulde passt. Ich gehe einkaufen, stecke das Wechselgeld kurz in die Hosentasche, werfe es aber, sobald ich im Auto sitze, in dieses Münzglas. Die Münzen im Münzglas nehme ich dann, um Parkautomaten zu füttern oder den Bäcker am Wochenende zu bezahlen. Zwei Fliegen mit einer Dings: kein Kleingeld mehr im Portmonnaie und quasi immer Geld für den Parkscheinautomaten.

Nicht schlecht, oder?

5 Kommentare zu „Kleingeld und Pommes mit Mayo“

  1. Geniale Idee! Aber es ist noch Verbesserungspotential vorhanden!
    Als Autohausinhaber weiß ich dass viele Kunden neuerer Fahrzeuge eine recht geringe Klappergeräuschakzeptanzschwelle besitzen. Und ebenso kann ich aus jahrzehntelanger Erfahrung heraus sagen dass in gefühlt 90% aller Reklamationsfälle die wir hier so bei haben irgendwelche Gegenstände des Kunden schuld sind und kein Defekt am Fahrzeug. Kleingeld in Mittelkonsole, Handschuhfach, Seitenfach, Brillenfach, Aschenbecher oder unter den Sitzen macht einen nicht unerheblichen Anteil der Reklamationsquote aus.
    Ein Glas ist aus meiner Sicht geräuschemissionstechnisch doch eher suboptimal. Ich schlage einen innen mit Filz oder Kunststoffbeschichtung versehenen Behälter vor, und um noch einen draufzusetzen – mit Magnetboden. So werden die Münzen magnetisch festgehalten und am Klappern gehindert. Der Becher muss selbstredend perfekt in die Halterungen diverser Fahrzeuge passen.
    Das Ganze lassen wir für einen Appel und ein Ei in China produzieren und bieten das Produkt dann mit 800% Gewinnmarge großen Autohäusern an, die immer an neuen innovativen Werbegeschenken / Give-Aways für ihre Neuwagenkunden suchen.

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  2. Ich habe in knapp 3 Jahren ca. 550€ an Kleingeld angespart. Ziel war es mal zu Bank zu bringen. Wie sonst üblich zum Kleingeldautomaten laufen, einzahlen sich freuen. Seit neustem ist dies leider nicht mehr möglich. Es gibt ein neues EU gesetzt die das in der Form so abgeschaft haben. Jetzt kostet es Geld das Kleingeld zur Bank zu bringen, weil jede Münze auf ihre Echtheit überprüft werden muss. Natürlich macht das ein Mensch und das kostet richtig Geld. Ich ärgere mich echt darüber aber da kann ich leider auch nix mehr daran ändern. Jetzt heißt es Alternativen finden wie man das Kleingeld am besten los wird 😉

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  3. @rwsub: 550€ ist zwar schon eine Menge, aber noch nicht besorgniserregend. Du hast grundsätzlich mehrere gute Möglichkeiten das Kleingeld loszuwerden:
    1) Packe vor Einkäufen genau € 9,99 in das Münzfach Deines Portemonnaies. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Hast Du weniger, dann besteht die Gefahr den Zahlbetrag nicht passend zu haben. Hast Du mehr drin dauert das Zusammensuchen der Münzen einfach zu lange.
    2) Wie unser Guru bereits vorgeschlagen hat: Lege Dir ein paar Euro ins Auto. Für Parkscheinautomaten ist das immer sehr praktisch und man bekommt den Kram ebenfalls häppchenweise weg.
    3) Beim nächsten Einkauf (zum Beispiel beim Bäcker) einfach mal fragen, ob der Kleingeld benötigt. Oft sind gerade kleine Geschäfte immer knapp an Münzgeld und sogar froh wenn jemand wechseln möchte.
    Du bekommst den ganzen Metallschrott auf die Art und Weise zwar nicht auf einen Schlag weg, aber zumindest mittelfristig wirst Du den Kram loswerden.

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  4. „In meiner Mittelkonsole steht daher seit zwei Jahren ein Glas, das perfekt in so eine Getränkemulde passt“ Wow, und darauf bist Du ganz alleine gekommen? Genial! Hadu ganz, ganz fein gemacht *tätschel, tätschel*. Aber weißt Du was: ich glaube, diese „Idee“ hatten vor Dir schon hundertausende von Autofahrern – blos nutzen die nicht noch zusätzlich ein unnötiges Glas…

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