Veränderung

An einem Mittwoch kurz nach den Sommerferien vor zwei Jahren saß ich mit meiner Tochter bei Wasser und Kuchen in einem Cafe.

Tochter: „Ich muss dir was wichtiges sagen!“

GoG: „Ich dir auch! Du zuerst.“

Tochter: „Ich habe mich letzten Samstag entschieden, kein Fleisch mehr zu essen.“

GoG: „Hä? Das darf nicht wahr sein.“

Tochter: „Wieso?“

GoG: „Kein Witz jetzt – ich habe mich am Sonntag dazu entschieden, kein Fleisch mehr zu essen.“

Wir hatten beide ohne Vorbesprechung, Ab- oder Rücksprache unabhängig voneinander innerhalb von 24 Stunden den gleichen Entschluss gefasst. Verrückt – aber nicht neu. Wir denken oft sehr ähnlich. Das arme Kind. 🙂

Jetzt muss man wissen, dass wir vorher pro Grillsaison mindestens 30 Lammrücken verspeist und alle Steakhäuser in der Stadt über Jahre intensiv getestet hatten – ich hatte meine Tochter quasi von Fleisch ernährt.

Ein enger Freund, den ich eine Woche später traf, wurde abwechselnd traurig und wütend: „wie kannst du mir das antun!“

Ich musste ihm versprechen, dass ich trotzdem noch mit ihm essen gehe. Aber er hatte und hat ernsthafte Probleme mit meinen „andauernden“ Veränderungen.

GoG: „Hat nix mit dir zu tun. Ich will und kann aus ethischen Gründen kein Fleisch mehr essen. Gibt übrigens auch gesundheitliche und umweltrelevante Aspekte, die sehr dafür sprechen, vegan oder zumindest vegetarisch zu leben.“

Der Freund wollte davon nichts wissen und fühlte sich regelrecht im Stich gelassen.

Ein Jahr vorher hatte ich ihm den Gebert Börsenindikator vorgestellt und nahe gebracht. Machte für ihn Sinn, und er setzt die Strategie per DAX-ETF um. Ein Jahr später stellte ich ihm ein paar quantitative Modelle vor (Piotroski, O’Shaughnessy, Kursmomentum usw.) – mit umwerfenden Backtests, die sogar Gebert alt aussehen lassen.

Er war regelrecht sauer. Er wollte keine neuen Informationen. Ich sollte ihn in Ruhe lassen. Die Bereitschaft, sich auf neue Wege einzulassen, ist nicht bei allen Menschen da. Hat nichts mit Intelligenz zu tun – er ist hochbegabt und so ein Mensa-Otto. Sehr sicherheitsbewusst bzw. risikoavers. Kann man nix machen.

Manchmal finde ich es schade, dass ich das Wissen aus tausend Stunden Lektüre nicht an Freunde weitergeben kann. Aber was soll’s – dafür gibt es ja das Internet.

Vielleicht brauche ich ja auch einfach ein paar neue Freunde. 🙂

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