Konsum

Tim Schäfer hätte sich früher lustig über mich gemacht. Zu recht. Lustigerweise hatte ich meine Erweckung auf einer Messe, der Boot in Düsseldorf – und natürlich aus den falschen Gründen. Vor drei Jahren war ich mit meiner Tochter zum ersten Mal da, um mir eine Bavaria Vision 42 anzuschauen.

Der Gedanke dazu war, dass ich irgendwann, wenn ich mal in Rente bin, auf keinen Fall 365 Tage zu Hause verbringen will und dass ich für ein Haus am Strand nicht genug Geld haben würde. Also: Segelyacht – toller Meerblick und Strandlage nach Wunsch. Kaufpreis läge so bei rund 200.000 Euro. Bis zur Rente – so in zwanzig Jahren – ein halbwegs realistischer Wunsch, dachte ich.

Vor zwei Jahren und letztes Jahr waren wir wieder auf der Boot. Blöderweise, um uns einen Katamaran anzuschauen. Da kann man dann richtig drauf leben. Sehr gemütlich aber leider auch deutlich teurer und damit weit weniger realistisch.

In der Folge dieser maximalen Konsumwünsche kam ich zu folgender Erkenntnis: ich bin vermutlich ein Hochstapler. Um dieser Vermutung nachzugehen, habe ich mindestens ein Dutzend Excel-Sheets erstellt, Einnahmen und Ausgaben genauestens analysiert und bin schließlich auf den einschlägigen Finanzblogger-Seiten gelandet.

Ernsthaft beschäftige ich mit meinen Finanzen seit September 2016. Über den Daumen gebe ich monatlich 1.000 Euro für den Unterhalt meiner Tochter und rund 1.000 Euro für meinen eigenen Unterhalt aus. Wenn man Urlaub und alles weitere Gedöns dazurechnet, gebe ich nach diversen Spaßmaßnahmen aktuell ca. 35.000 Euro pro Jahr aus. Vorher waren das eher so um die 60.000 Euro.

Sparmaßnahmen-Beispiele: dank eines Strom-„Smartmeters“ habe ich meinen Stromverbrauch von ca. 5.000 auf 1.500 kwh runtergefahren. Unter anderem schalte ich per Fernbedienung sämtliche Verbraucher aus, bevor ich schlafen gehe oder das Haus verlasse. Ersparnis: 800 Euro pro Jahr.

Seit Anfang 2017 habe ich meine jährliche Fahrleistung von 25.000 auf ca. 8.000 km pro Jahr reduziert – S-Bahn und Jobticket sei Dank. Verbunden damit war auch die Kündigung eines elend teuren Parkplatzes in der Stadt. Ersparnis: ca. 5.000 Euro pro Jahr. Bin inzwischen begeisterter S-Bahn-Fahrer. Hätte auch keiner gedacht.

Inwieweit Anschaffungs- und Unterhaltskosten eines Katamarans in mein neu entwickeltes Kostenbewusstsein passen, muss man dann sehen. Eher nicht so, fürchte ich.

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