Erben & Schenken

Alle drei Wochen werde ich enterbt. Ich bin schweinealt, und meine Mutter nennt mich in jedem vierten Satz „frech“. Klingt so, als wäre ich zwölf Jahre alt. Vielleicht hält uns das beide ja jung. Meine Mutter ist die bei weitem geschäftstüchtigste Frau, die ich kenne. Jack Nasher hätte keine Chance, „Mutti“ würde ihn in Grund und Boden verhandeln. Mein Vater war beruflich immer selbstständig und ziemlich fleißig. Dafür konnten sich beide dann weit vor dem 60. Lebensjahr zur Ruhe setzen. Es gibt ein paar Immobilien und einen Vermögensverwalter. Will sagen: meine Eltern sind seit Jahrzehnten finanziell frei. Tolle Sache – und alles selbst erarbeitet.

Der Teil mit „selbst erarbeitet“ ist, fürchte ich, ganz schön wichtig. Bevor irgendwer irgendwas erben sollte, halte ich es für empfehlenswert, dass man sich selbst vorher etwas erarbeitet hat. Wenn man nämlich selber nix hat und ganz eventuell hier und da auf sein Erbe spekuliert, ist das für alle Beteiligten ganz schön schräg und gruselig.

Das gleiche gilt in abgespeckter Form auch fürs Schenken. Größere (Geld-)Geschenke kann und soll man im Prinzip erst machen, sobald der Beschenkte aus eigener Kraft seinen Platz gefunden hat.

Ich habe meinen übrigens letzte Woche gefunden und nehme Geschenke in jeder Höhe jetzt gerne entgegen.

🙂

2 Kommentare zu „Erben & Schenken“

  1. Sehe ich genauso. Was aus plötzlichem Reichtum wird, sieht man ja gut an den Lottomillionären: Waren sie zuvor nicht erfolgreich, sind sie pleite, noch bevor sie den Gewinn realisiert haben. Ich plane übrigens selbiges auch für mich. Den letzten Heller am Tag meines Todes unters Volk gebracht – das nenne ich dann mal Effizienz! Das gleiche wünsche ich mir für meine Eltern übrigens auch. Ich möchte gar nichts erben.

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  2. Hi ArtVandelay, gar nichts erben wollen, ist die richtige Haltung, denke ich. Ich sähe meine Eltern beispielsweise auch lieber auf Weltreise, braungebrannt, mit leuchtenden Augen und tollen Geschichten. Bin meinen Eltern jahrelang schwer damit auf die Nerven gegangen, dass sie was mit ihrem ganzen Geld anfangen sollen. Hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass sie was ganz anderes wollen: zu Hause bleiben, Fernsehen gucken, bisschen Immobilien verwalten, Rasen mähen und mal ins Schwimmbad gehen. Die geben fast nix aus, sind heimlich ein bisschen stolz auf ihren materiellen Erfolg und schippern so in ihrem kleinen Teich herum. Alles gut. Sollen sie. Muss ja nicht jeder mit dem Segelboot über den Atlantik oder so. Viele Grüße!

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